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Das elfte Gebot (Robert Gernhardt)


Als nun der HERR niedergekommen war auf dem Feldberg, oben auf seinem Gipfel, berief er seinen Knecht Gernhardt hinauf auf den Gipfel des Berges, und Gernhardt stieg hinauf.

Da sprach der HERR: Ich bin der HERR, dein Gott, und habe seinerzeit vollkommen verschwitzt, meinem Knecht Moses das elfte Gebot mitzugeben, als er vom Berge Sinai hinunter zum Volke stieg. So nimm du es und geh hin und steig hinab und verkĂŒndige allem Volke das elfte Gebot.

Und Gott redete nur diese Worte: „Du sollst nicht lĂ€rmen.“

Und Gernhardt tat wie ihm geheißen und stieg hinab und sprach also zum Volk: Dies sind die LĂ€rmvorschriften, die der HERR euch auferlegt hat:

Gesetze ĂŒber reine und unreine Instrumente

Und der HERR redete mit Gernhardt und sprach zu ihm: Rede mit den Musikern und sprich: Das sind die Instrumente, die ihr spielen dĂŒrft in euren Wohnungen. Alles, was Löcher hat oder Saiten unter den Instrumenten, das dĂŒrft ihr spielen, sofern ihr deutlich im Rahmen der ZimmerlautstĂ€rke bleibt.

Alle Instrumente aber, die geschlagen werden oder bei denen sich eure Backen blĂ€hen oder solche mit elektrischen VerstĂ€rkern, sollen euch unrein sein, und ihr sollt sie nicht spielen in euren Wohnungen. Und diese sollt ihr verabscheuen unter den Instrumenten, daß ihr sie nicht spielet in euren Wohnungen, denn ein Greuel sind sie: das Waldhorn, der Brummbaß und die Quetschkommode.

Vergehen gegen Ohr und Seele

So du in geschlossenen Ortschaften dein Autoradio einschaltest, so sollst du die Fenster und das Verdeck deines Wagens fest verschlossen halten. Parkt jemand seinen Wagen, so soll er den Motor im Leerlauf nicht brummen lassen.

Ihr sollt nicht hupen.

Wer seinen RasenmĂ€her anwirft, der soll dies nur an Werktagen zwischen elf und dreizehn Uhr tun. Und er soll danach unrein sein bis an den Abend und weder eine MotorsĂ€ge anrĂŒhren noch einen Elektrobohrer noch eine HĂ€ckselmaschine noch einen Laubsauger noch alles, was LĂ€rm macht.

Ihr sollt eure Bahnhöfe nicht mit Musik bedudeln. Unter Bahnhof aber verstehe ich jedwede Anlage zur Abwicklung des Personen und GĂŒterverkehrs der Eisenbahn, an der ZĂŒge beginnen, enden, halten, sich kreuzen, sich ĂŒberholen oder mit Gleiswechsel wenden können.

Dasselbe soll gelten fĂŒr U-Bahnhöfe, fĂŒr S-Bahnhöfe sowie fĂŒr alle anderen Bahnhöfe, die Gleise haben. Die aber keine Gleise haben, sind Bus-Bahnhöfe, und die sollen ebenfalls nicht bedudelt werden.

Bedudelt keine FlughÀfen.

So jemand Tiere hĂ€lt, welchen die Natur die Gabe verliehen hat zu lĂ€rmen, so soll er sie so halten, daß sie keinen Grund haben zu lĂ€rmen, oder so, daß ihr LĂ€rmen nicht zu hören ist. Das gilt fĂŒr Hunde und alles Getier, das den Mond anbellt oder auf Erden winselt, sowie fĂŒr Papageien und alles gefiederte Volk, das da pfeift, wenn es tagt.

Ihr sollt die Hunde und die Papageien nicht bedrĂŒcken. Wirst du sie bedrĂŒcken, und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen, daß ich euch zĂŒchtige, und ihr werdet um Gnade winseln und aus dem letzten Loch pfeifen.

TodeswĂŒrdiger LĂ€rm

So ein Mann seinen fahrbaren Untersatz frisiert, auf daß der mehr LĂ€rm mache, so ist er unrein. Auch der Sattel, auf dem er reitet, wird unrein. Und er und seine Maschine sollen dem Bann verfallen. FĂ€hrt er aber fort, auf ihr herumzudĂŒsen, so soll er des Todes sterben.

Die Moto Cross Fahrer sollst du nicht am Leben lassen.

So einer auf dem Wasser mit einem Motorfahrzeug herumdĂŒst, und es erhebt auch nur ein Gestörter seine Stimme und saget: Ruhe dahinten!, so soll er sein DĂŒsen unverzĂŒglich und zu jeder Tageszeit einstellen. In der Nachtzeit aber sollt ihr ĂŒberhaupt nicht herumdĂŒsen, und schon gar nicht auf dem Wasser.

Auch sollt ihr nicht am Himmel herumdĂŒsen, denn ein Greuel sind mir das Sportflugzeug, die Ultraleichtmaschine und der Hubschrauber. Und ich will sie alle abstĂŒrzen lassen, sobald auch nur ein Gestörter ausruft: Ruhe da oben!, und es kehrt keine Ruhe da oben ein.

Rettungshubschrauber aber will ich nicht abstĂŒrzen lassen. Transportiert aber der Rettungshubschrauber jemanden, den ich habe abstĂŒrzen lassen, weil er gelĂ€rmt hat, so will ich auch den Rettungshubschrauber abstĂŒrzen lassen.

Von den GerÀten

Und der HERR sprach mit Gernhardt und sprach also zu ihm: Rede mit deinen Leuten, aber schön ruhig, und sprich: Das sind die Gebote, die euch der HERR gibt fĂŒr alles, was Knöpfe hat und LĂ€rm erzeugt.

Ihr sollt bei der Aufstellung eurer Hi-Fi-Anlagen fĂŒr eine gute DĂ€mmung sorgen. Ihr sollt nicht am Lautsprecher sparen, auf daß ihr eure Anlage schön leise stellen könnt. Ihr sollt sie nie lauter aufdrehen, als ihr eure Stimme erheben könntet.

Ihr sollt keine Radios mit euch tragen, so ihr den Fuß aus dem Hause setzt. Ihr sollt keinen Walkmann in Bahnen und ZĂŒgen benutzen, denn siehe: der Walkmann ist ein Blendwerk des Satans, zu verwirren die Sinne des Menschen, auf das er glaube, er könne seinen Kopf mit Musik vollknallen, ohne daß sein NĂ€chster davon höre.

Ich aber sage euch: Und ob der was mithört!

Du sollst nicht tönen.

Macht euch nicht selbst zum Greuel an dem kleinen GerĂ€t, das wummert, zirpt und dudelt, und macht euch nicht unrein an ihm, so daß ihr dadurch nicht unrein werdet.

Diese sollen euch in Bahnen und Bussen ebenfalls unrein sein unter den PiepsgerÀten, welche Knöpfe haben und die man in die Tasche stecken kann: das Computerspiel, das Handy und der Laptop. Denn alles, was ihr Pieps beschallt, das wird unrein. Und alles GerÀt, das gepiepst hat, soll man ins Wasser tun, es ist unrein bis zum Abend und danach unbrauchbar. In euren Wohnungen aber sollen diese GerÀte nicht unrein sein.

Ersatzleistungen

Entsteht durch LĂ€rm ein dauernder Schaden, so sollst du geben LĂ€rmen um LĂ€rmen, Ohr um Ohr, Ton um Ton, Krach um Krach. Wer aber fortfĂ€hrt zu lĂ€rmen, der soll des Todes sterben, und seine LĂ€rmquelle soll man steinigen. Das ist das elfte Gebot, das der HERR dem Gernhardt gebot fĂŒr alles Volk auf dem Feldberg.
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